Women Action Space – Frauen-Empowerment in Prenzlau
Women Action Space – Frauen-Empowerment in Prenzlau

FRAUEN ERMUTIGEN. FRAUEN BETEILIGEN. FRAUEN VERNETZEN.

Sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einzusetzen, ist ein Anliegen, welches weltweit immer mehr an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewinnt. Wir setzen uns mit unserem Projekt „Women Action Space“ bereits seit über zwei Jahren dafür ein, dass die Anliegen geflüchteter Frauen und Mädchen, die in Prenzlau und Umland leben, sichtbarer werden. Wir bauen Vertrauen zu Frauen unterschiedlicher Communities auf, wir ermöglichen Raum für Austausch und Vernetzung von Frauen und wir ermutigen und befähigen Frauen, sich selbst für ihre Anliegen einzusetzen.

Am Jahresende 2018 haben wir gemeinsam mit Projektteilnehmerinnen die erste Frauenkonferenz Uckermark in Prenzlau organisiert und  veranstaltet. Die Idee zu dieser Konferenz ist in unserem Projekt Women Action Space entstanden, dort wurden auch gemeinsam die Workshopthemen bestimmt. Insgesamt mehr als 60 Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, die in der Uckermark leben, sowie Frauen ohne Migrationshintergrund und Expertinnen, Beraterinnen und Mitarbeiterinnen von Bildungseinrichtungen und Institutionen, die sich für die Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichberechtigung von Frauen einsetzen, sind unserer Einladung gefolgt. Die Frauenkonferenz gab einen Anstoß für den Austausch mit Frauen aus anderen Regionen der Uckermark.

In vier Workshops diskutierten die teilnehmenden Frauen folgende Themen:

Frauen im Islam: Es ist notwendig, im Gespräch zu bleiben, um die unterschiedlichen Positionen sichtbar zu machen und den gemeinsamen Prozess des Verstehens/der Akzeptanz zu unterstützen. Der Wunsch nach Stärkung und Verbindung stand im Mittelpunkt.

Leben mit Kindern zwischen verschiedenen Kulturen: Herausforderungen bestehen insbesondere in den Bereichen Schule und Kita, speziell Wertschätzung von Sprachenvielfalt. Hier bedarf es neben einem regelmäßigen Austausch eine enge Zusammenarbeit mit Behörden, Ämtern und Bildungsinstitutionen.

Schutz für Frauen: Es wurde über die Rechte der Frauen in Deutschland informiert und Erfahrungen ausgetauscht, z.B. freie Meinungsäußerung, selbstständige Entscheidung über eigenes Geld, Partner*innenwahl, Berufswahl u.v.m. Es wurden konkrete Anlaufstellen benannt, wenn Frauen Hilfe benötigen, Fragen haben oder Schutz suchen.

Erfahrungen mit Alltagsrassismus: Frauen brauchen Räume und Orte, um Frauen nichtdeutscher und deutscher Herkunft, die von Rassismus betroffen sind, zu stärken und zu unterstützen. Darüber reden hilft!

Die ausführliche Dokumentation sowie Presseartikel finden Sie in unserem Downloadbereich.

DAS PROJEKT WOMEN ACTION SPACE

Dank der Unterstützung der Landesintegrationsbeauftragten und des MASGF können wir in diesem Jahr das Projekt WOMEN ACTION SPACE in Prenzlau weiterführen. Ein bis zweimal im Monat organisieren wir ein offenes Austausch- und Vernetzungstreffen mit und für Frauen. Mal in kleinerer, mal in größerer Runde treffen sich hier Frauen unterschiedlicher Herkunft bei einem Frühstück, besprechen aktuelle Themen und ihre teils sehr prekären Situationen, teilen ihre Geschichten miteinander, entwickeln Ideen, um einander zu helfen. Oder sie gehen „on Tour“, um Einrichtungen, Initiativen und unterstützende Organisationen und Institutionen kennenzulernen. Denn das Wissen darum ist ein immer wieder benannter Bedarf von Frauen.

Frauen ermutigen. Frauen beteiligen. Frauen vernetzen. Das ist das Ziel des Projektes „Women Action Space“. Damit ermächtigen wir Frauen mit und ohne Fluchterfahrung, sich für ihre Anliegen einzusetzen.

„DU DARFST DAS. DU BIST EIN JUNGE.“

Drei Fragen an: Sekine Flämig, Freiwillige und seit 2019 Mitarbeitende im Prenzlauer Projekt „Women Action Space“

Warum engagierst Du Dich im Projekt?

Ich möchte andere Frauen ermutigen, sich selbstbewusst für ihre Rechte einzusetzen und offen ihre Meinung zu sagen. Es ist meine eigene Erfahrung, die mich antreibt. Ich bin in einer muslimischen Familie in Albanien aufgewachsen, mit sehr strengen Traditionen. Frauen und Mädchen sind dort nichts wert. Jungen werden dazu erzogen, Mädchen und Frauen zu unterdrücken. Mein Sohn war ein kleiner Junge, als ihn sein Großvater aufforderte, seine Cousinen zu schlagen: „Du darfst das. Du bist ein Junge.“ 13 Jahre lebte ich mit meinem Mann in Italien und hatte mehrere Jobs gleichzeitig, während er zu Hause saß und trank. Aber in Italien erlebte ich, wie selbstbewusst Frauen dort ihr Leben bestimmen. Zurück in Albanien wurde es nicht einfacher, denn ich war eine europäische Frau geworden. Damit kamen die Männer in meinem Dorf nicht klar. Ich versuchte, mich anzupassen, vor allem für meine Kinder. Aber das ging nicht. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und zog mit meiner Tochter zu Verwandten. Meinen Sohn musste ich beim Vater lassen. Auch das ist eine Tradition, die Frauen dazu bringt, sich unterdrücken zu lassen. Aus Angst um ihre Kinder. Mich brachte diese Situation dazu, vor drei Jahren mit meinen Kindern nach Deutschland zu fliehen. Darauf kann ich mich aber nicht ausruhen. Andere Frauen stecken in ähnlichen Situationen fest. Für diese Frauen möchte ich etwas tun.

Hast Du das Gefühl, mit Deinem Engagement etwas zu bewirken?

Auf jeden Fall. Wir bringen  viele Frauen zusammen – geflohene, zugewanderte, alt eingesessene Frauen. Sie wollen miteinander reden, Spaß haben, aus dem Alltag rauskommen, unter sich sein. Mit dem Projekt schaffen wir dafür einen Raum. Es geht darum, sich gegenseitig zu stärken, voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, oft zu ganz praktischen Alltagsfragen: Wie funktioniert ein Elternabend in der Schule? Wo kann ich Sport treiben? Manchmal kochen wir zusammen, tanzen, lachen. Das schafft das notwendige Vertrauen, um dann auch tiefere Probleme zu besprechen.

Worauf freust Du Dich gerade am meisten im Projekt?

Sehr oft fühlen sich die Frauen allein mit ihren Sorgen und glauben, sie können nichts an der Situation ändern. Mit einer Reise durch die Uckermark möchten wir ihnen gute Beispiele zeigen, wo Frauen aktiv sind, in welchen Berufen sie arbeiten, wie sie ihre Probleme selbst lösen. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir schon Unterstützung für diese Idee gefunden haben.

 

Die Förderer vom WOMEN ACTION SPACE und der FRAUENKONFERENZ UCKERMARK

Wir danken unseren Förderern und Kooperationspartnern.

2019  wird das Projekt WOMEN ACTION SPACE gefördert durch das MASGF und der Landesintegrationsbeauftragten , die 2. FRAUENKONFERENZ wird gefördert von Aktion Mensch.

2018 wurden wir gefördert vom MASGF, der Landesintegrationsbeauftragten und der Aktion Mensch.

2017 fand das Projekt WOMEN ACTION SPACE in Prenzlau und Eberswalde statt und wurde gefördert von der Landesintegrationsbeauftragten und dem MASGF, der Amadeu Antonio Stiftung und dem Landkreis Barnim.