Women Action Space
Women Action Space

Sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einzusetzen, ist ein Anliegen, welches weltweit immer mehr an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewinnt. Wir setzen uns mit unserem Projekt „Women Action Space“ bereits seit zwei Jahren dafür ein, dass die Anliegen geflüchteter Frauen und Mädchen, die in Prenzlau und Umland leben, sichtbarer werden. Das hieß erst einmal ganz viel Vertrauen aufbauen und Raum für Austausch und Vernetzung von Frauen zu ermöglichen. Nun wollen wir einen Schritt weiter gehen.

Am 7. Dezember 2018 laden wir von 10 bis 14 Uhr zur ersten Frauenkonferenz Uckermark nach Prenzlau ein. Die Konferenz richtet sich insbesondere an Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, die in der Uckermark leben, aber auch an Frauen ohne Migrationshintergrund und Expertinnen, Beraterinnen und Mitarbeiterinnen von Bildungseinrichtungen und Institutionen, die sich für die Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichberechtigung von Frauen einsetzen. Die Veranstaltung findet in den Räumen der Stadtmission, Brüssower Allee 62 in Prenzlau statt.  Mehr zur Veranstaltung unter „Aktuelles“.

Die Frauenkonferenz ist eine Idee, die im Projekt Women Action Space entstanden ist. Wir haben bei unseren Treffen Themen gesammelt, die für die Frauen wichtig sind und gemeinsam entschieden, welche wir davon auf einer Konferenz bearbeiten wollen. Es geht uns darum, Frauen zu ermutigen, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Die Frauenkonferenz soll zudem einen Anstoß für den Austausch mit Frauen aus anderen Regionen der Uckermark geben. In vier Workshops haben die teilnehmenden Frauen die Möglichkeit, sich zu den Themen Schutz vor Gewalt, die Rechte von Frauen, Alltagsrassismus, Frauen im Islam und das Leben mit Kindern zwischen verschiedenen Kulturen fortzubilden und über Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten auszutauschen. Die Frauenkonferenz, die von der Aktion Mensch gefördert wird, ermöglicht den Blick auf die Ursachen für die Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund und die Neugestaltung von Handlungsspielräumen gemeinsam mit der Mehrheitsgesellschaft.

DAS PROJEKT WOMEN ACTION SPACE

Dank der Unterstützung der Landesintegrationsbeauftragten und des MASGF können wir in diesem Jahr das Projekt WOMEN ACTION SPACE in Prenzlau weiterführen. Ein bis zweimal im Monat organisieren wir ein offenes Austausch- und Vernetzungstreffen mit und für Frauen. Mal in kleinerer, mal in größerer Runde treffen sich hier Frauen unterschiedlicher Herkunft bei einem Frühstück, besprechen aktuelle Themen und ihre teils sehr prekären Situationen, teilen ihre Geschichten miteinander, entwickeln Ideen, um einander zu helfen. Oder sie gehen „on Tour“, um Einrichtungen, Initiativen und unterstützende Organisationen und Institutionen kennenzulernen. Denn das Wissen darum ist ein immer wieder benannter Bedarf von Frauen. Ein großes Ziel haben sich die Frauen in diesem Jahr noch gesteckt. Sie möchten ihre Themen und Bedarfe mehr in die öffentliche Diskussion bringen, sichtbar machen und sich vor allem mit Frauen aus der ganzen Uckermark vernetzen. Darum planen sie mit uns eine Frauenkonferenz Uckermark. Zusätzliche Mittel dafür haben wir bei der Aktion Mensch beantragt.

Frauen ermutigen. Frauen beteiligen. Frauen vernetzen. Das ist das Ziel des Projekts „Women Action Space“. Damit ermächtigen wir Frauen mit und ohne Fluchterfahrung, sich für ihre Anliegen einzusetzen.

„Du darfst das. Du bist ein Junge.“

Drei Fragen an: Sekine Flämig, Freiwillige im Prenzlauer Projekt „Women Action Space“

Warum engagierst Du Dich im Projekt?

Ich möchte andere Frauen ermutigen, sich selbstbewusst für ihre Rechte einzusetzen und offen ihre Meinung zu sagen. Es ist meine eigene Erfahrung, die mich antreibt. Ich bin in einer muslimischen Familie in Albanien aufgewachsen, mit sehr strengen Traditionen. Frauen und Mädchen sind dort nichts wert. Jungen werden dazu erzogen, Mädchen und Frauen zu unterdrücken. Mein Sohn war ein kleiner Junge, als ihn sein Großvater aufforderte, seine Cousinen zu schlagen: „Du darfst das. Du bist ein Junge.“ 13 Jahre lebte ich mit meinem Mann in Italien und hatte mehrere Jobs gleichzeitig, während er zu Hause saß und trank. Aber in Italien erlebte ich, wie selbstbewusst Frauen dort ihr Leben bestimmen. Zurück in Albanien wurde es nicht einfacher, denn ich war eine europäische Frau geworden. Damit kamen die Männer in meinem Dorf nicht klar. Ich versuchte, mich anzupassen, vor allem für meine Kinder. Aber das ging nicht. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und zog mit meiner Tochter zu Verwandten. Meinen Sohn musste ich beim Vater lassen. Auch das ist eine Tradition, die Frauen dazu bringt, sich unterdrücken zu lassen. Aus Angst um ihre Kinder. Mich brachte diese Situation dazu, vor drei Jahren mit meinen Kindern nach Deutschland zu fliehen. Darauf kann ich mich aber nicht ausruhen. Andere Frauen stecken in ähnlichen Situationen fest. Für diese Frauen möchte ich etwas tun.

Hast Du das Gefühl, mit Deinem Engagement etwas zu bewirken?

Auf jeden Fall. Wir bringen  viele Frauen zusammen – geflohene, zugewanderte, alt eingesessene Frauen. Sie wollen miteinander reden, Spaß haben, aus dem Alltag rauskommen, unter sich sein. Mit dem Projekt schaffen wir dafür einen Raum. Es geht darum, sich gegenseitig zu stärken, voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, oft zu ganz praktischen Alltagsfragen: Wie funktioniert ein Elternabend in der Schule? Wo kann ich Sport treiben? Manchmal kochen wir zusammen, tanzen, lachen. Das schafft das notwendige Vertrauen, um dann auch tiefere Probleme zu besprechen.

Worauf freust Du Dich gerade am meisten im Projekt?

Sehr oft fühlen sich die Frauen allein mit ihren Sorgen und glauben, sie können nichts an der Situation ändern. Mit einer Reise durch die Uckermark möchten wir ihnen gute Beispiele zeigen, wo Frauen aktiv sind, in welchen Berufen sie arbeiten, wie sie ihre Probleme selbst lösen. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir schon Unterstützung für diese Idee gefunden haben.

 

Die Förderer vom WOMEN ACTION SPACE

Wir danken den Förderern und Kooperationspartnern in Prenzlau und Eberswalde.

Im Jahr 2017 waren das die Landesintegrationsbeauftragte und das MASGF, die Amadeu Antonio Stiftung und der Landkreis Barnim. Im Jahr 2018 wir das Projekt wieder von der Landesintegrationsbeauftragten und dem MASGF gefördert.