Women Action Space
Women Action Space

„Du darfst das. Du bist ein Junge.“

Drei Fragen an: Sekine Flämig, Freiwillige im Prenzlauer Projekt „Women Action Space“

 

Warum engagierst Du Dich im Projekt?

Ich möchte andere Frauen ermutigen, sich selbstbewusst für ihre Rechte einzusetzen und offen ihre Meinung zu sagen. Es ist meine eigene Erfahrung, die mich antreibt. Ich bin in einer muslimischen Familie in Albanien aufgewachsen, mit sehr strengen Traditionen. Frauen und Mädchen sind dort nichts wert. Jungen werden dazu erzogen, Mädchen und Frauen zu unterdrücken. Mein Sohn war ein kleiner Junge, als ihn sein Großvater aufforderte, seine Cousinen zu schlagen: „Du darfst das. Du bist ein Junge.“ 13 Jahre lebte ich mit meinem Mann in Italien und hatte mehrere Jobs gleichzeitig, während er zu Hause saß und trank. Aber in Italien erlebte ich, wie selbstbewusst Frauen dort ihr Leben bestimmen. Zurück in Albanien wurde es nicht einfacher, denn ich war eine europäische Frau geworden. Damit kamen die Männer in meinem Dorf nicht klar. Ich versuchte, mich anzupassen, vor allem für meine Kinder. Aber das ging nicht. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und zog mit meiner Tochter zu Verwandten. Meinen Sohn musste ich beim Vater lassen. Auch das ist eine Tradition, die Frauen dazu bringt, sich unterdrücken zu lassen. Aus Angst um ihre Kinder. Mich brachte diese Situation dazu, vor drei Jahren mit meinen Kindern nach Deutschland zu fliehen. Darauf kann ich mich aber nicht ausruhen. Andere Frauen stecken in ähnlichen Situationen fest. Für diese Frauen möchte ich etwas tun.

 

Hast Du das Gefühl, mit Deinem Engagement etwas zu bewirken?

Auf jeden Fall. Wir bringen  viele Frauen zusammen – geflohene, zugewanderte, alt eingesessene Frauen. Sie wollen miteinander reden, Spaß haben, aus dem Alltag rauskommen, unter sich sein. Mit dem Projekt schaffen wir dafür einen Raum. Es geht darum, sich gegenseitig zu stärken, voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, oft zu ganz praktischen Alltagsfragen: Wie funktioniert ein Elternabend in der Schule? Wo kann ich Sport treiben? Manchmal kochen wir zusammen, tanzen, lachen. Das schafft das notwendige Vertrauen, um dann auch tiefere Probleme zu besprechen.

 

Worauf freust Du Dich gerade am meisten im Projekt?

Sehr oft fühlen sich die Frauen allein mit ihren Sorgen und glauben, sie können nichts an der Situation ändern. Mit einer Reise durch die Uckermark möchten wir ihnen gute Beispiele zeigen, wo Frauen aktiv sind, in welchen Berufen sie arbeiten, wie sie ihre Probleme selbst lösen. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir schon Unterstützung für diese Idee gefunden haben.

 

WOMEN ACTION SPACE

Frauen ermutigen. Frauen beteiligen. Frauen vernetzen. Das ist das Ziel des Projekts „Women Action Space“. Damit ermächtigen wir Frauen mit und ohne Fluchterfahrung, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Wir danken den Förderern MASGF, Amadeu Antonio Stiftung und Landkreis Barnim sowie den beteiligten Projektpartnern in Prenzlau und Eberswalde.